Frauenzimmer II
Beyond Interiors
PillowBook drawings
PillowBook embroideries
Frauenzimmer I
Das Aleph
Mi Buenos Aires Querido
Schwarzweiß
Ambleside
Exhibition views
Frauenzimmer

Im FrauenZimmer kommt es zur Synthese von Figur und Raum, Mensch und Objekt. Die rätselhaften Andeutungen, die in diesem obsoleten Begriff stecken, habe ich in einer Serie von kleinformatigen Zeichnungen weitergesponnen. Meine Zeichnungen sind Möglichkeiten der Metamorphose, erfundene Beziehungen zwischen Frauen und Zimmern.

Wenn Frauen zu Zimmern werden, geschieht dies lautlos, zwischen den Zeilen des ­Alltags. Sie sind versunken in einer Tätigkeit, inmitten ihrer eigenen vier Wände. Die Versunkenheit ist für mich Bestandteil jeder Zeichnung. Die Frauenzimmer spiegeln somit den Prozess, den ich beim Zeichnen durchlaufe, als auch die damit einhergehende Langsamkeit. Zunehmend befinden sich die FrauenZimmer in Gesellschaft von Tieren, die trotz ihrer Größe flüchtig und zerbrechlich wirken. Sie transportieren das Geschehen in eine Fabelwelt und scheinen dabei Verwandlungen zu durchlaufen und unterschiedliche Rollen zu besetzen. Es bleibt ungewiss, ob diese Fabelwesen, und vermeintlichen Träger verschlüsselter Botschaften, in der Realität oder lediglich in der Gedankenwelt der Frauen existieren.

Obwohl die Frauen in meinen Zeichnungen sich mit alltäglichen Dingen beschäftigen, stimmt etwas nicht in ihrem häuslichen Gefüge. Dinge und Räume, Flora und Fauna entwickeln ein Eigenleben, wobei offen bleibt, ob dies Grund zur Beunruhigung ist. Die dargestellten Szenen gleichen Standbildern aus einem Film – sie erzählen Geschichten ohne Anfang und Ende. Anstatt Lösungen anzubieten, schüren sie im Betrachter Ahnungen, Vermutungen und Befürchtungen. Diese Ungewissheit widerspricht der vermeintlichen Ruhe, die von den Figuren ausgeht. Somit bleibt die Zeichnung ein offener Dialog, in dem ihr Gegenüber ergänzt oder hinterfragt, was auf dem Blatt ausgespart wurde. Das macht für mich eine wesentliche Faszination dieses Mediums aus – die Selektion von Information. Das Papier ist dabei mehr als eine Bühne, es befindet sich in einem intensiven Austausch mit der Zeichnung. Der unberührte Raum, die »Pause« auf dem Blatt steht im Kontrast zu formulierten Linien und Flächen, wobei die Aussparung zum wesentlichen Teil der Bildaussage wird.

Die Bühne der Protagonistinnen ist klein und gewährt dem Betrachter nur einen geringen Abstand zum Ort des Geschehens. Er muss an das Blatt herantreten, um in den privaten Raum der Frauen zu gelangen. Diese Räume sind nur in Andeutungen vorhanden – es gibt keine Wände, keine Türen und Fenster und keinen Boden unter den Füßen der Frauenzimmer. Sie sind in der Schwebe, ihre Welt ein offenes System. Begrenzt und beschützt werden sie einzig und allein durch die Dinge, die sie tun und die Beziehungen, die sie eingehen.

Nikola Röthemeyer, 2009